GFK in der Schule, ist das nötig?
Oft sprechen wir nach bestem Wissen und Gewissen. Wir glauben, Dinge nett zu sagen, jedenfalls ganz sicher nicht „gewalttätig“. Und dann stellen wir irritiert fest, dass es im Kontakt zum Kollegium, den SchülerInnen oder den Eltern zu Missverständnissen, Ärger und Konflikten kommt.
Plötzlich schweigt die Kollegin, Schüler werden trotzig und Eltern einfach nur schwierig.
Auf dem Pausenplatz kommt es zu offensichtlichen Handgreiflichkeiten oder subtilem Mobbing. Solche Situation kosten Nerven, Energie und Zeit. Kann es sein, dass unwissend doch Gewalt in unseren Worten steckt?
Mit der Gewaltfreien Kommunikation (GFK) nach Marshall B. Rosenberg erhalten wir ein Werkzeug, das uns hilft, in solchen Situationen besonnener zu reagieren. Mich ehrlich und klar auszudrücken, gleichzeitig mitfühlend zuzuhören und die Bedürfnisse von mir und meinen Mitmenschen als gleichwertig zu achten. Aufgrund beider Bedürfnisse suchen wir nach Lösungen die tragfähig sind weil beide Parteien berücksichtigt wurden.
So gelingt ein wertschätzender Umgang im Kollegium, im Kontakt mit SchülerInnen und auch Eltern leichter. Schwierigkeiten können geklärt und gemeinsame Lösungen gefunden werden.
Der nachfolgende Dialog steht als Beispiel für unzählige Situationen, die Mithilfe der GFK wohlwollend und wertschätzend gelöst werden können.
Die Lehrperson gibt den SchülerInnen den Auftrag, eine Aufgabe in Einzelarbeit zu lösen.
Ein Kind wendet sich nicht der Aufgabe zu, sondern schaut aus dem Fenster.
Der Lehrer spricht den Schüler an:
Lehrer: Du schaust aus dem Fenster. Mir scheint es, als seist du gerade lustlos und würdest lieber etwas anders tun, als die Aufgabe zu lösen? Ist das so?
Schüler: (gereizt) Scheiss Mathe!
L.: Das klingt für mich so, wie wenn du Mathe hasst und du nur etwas lernen möchtest, das dir auch sinnvoll erscheint.
S.: Genau, so ist es!
L.: Möchtest du verstehen, welchen Sinn es hat, Mathe zu lernen, bevor du bereit bist, dich mit dieser Aufgabe auseinander zu setzten?
S.: Ja.
L.: Jetzt bin ich grad unsicher und würde es gerne verstehen. Möchtest du wissen, wie dir Mathe nützlich ist oder geht es um das Lösen von Aufgaben?
S.: Mathe ist einfach zu kompliziert…
L.: Willst du damit sagen, dass du frustriert bist und mehr Hilfe brauchst, um zu verstehen, wie man Matheprobleme löst?
S.: (nickt) Hmmmm…
L.: Mir liegt am Herzen, dass ihr alle einigermassen gern zur Schule kommt. Ich möchte dich gerne unterstützen.
S.: Wie?
L.: Hast du einen Vorschlag?
S: Ja… ich probiere es zuerst selber und wenn ich es nicht auf die Reihe bekomme, melde ich mich…
L: Das passt für mich.
S: Ok…
L.: (reagiert auf das nonverbale Verhalten des Schülers) Du scheinst an der Idee zu zweifeln?
S.: Und was ist, wenn Sie keine Zeit haben?
L.: Brauchst du Klarheit, was wir in einem solchen Fall machen werden?
S.: Ja.
L.: Wenn ich mit einem anderen Kind beschäftigt bin, was würde dir in einem solchen Moment helfen?
S: Wenn ich Schüler X oder Y um Hilfe fragen darf.
L: Mir ist wichtig, dass es im Schulzimmer so ruhig ist, dass konzentriert gearbeitet werden kann und dass du in so einem Moment nur über Mathe sprichst. Bist du bereit, X oder Y flüsternd um Hilfe zu bitten und zurück an den Platz zu gehen, wenn deine Frage geklärt ist?
S: (grinst schelmisch) Also keine anderen Gespräche? (wirkt ernst) Ok, ich bin einverstanden!
L: Was hältst du davon, wenn wir die Beiden zuerst fragen. Wenn sie einverstanden sind, probieren wir es zwei Wochen aus und setzen uns dann wieder zusammen und schauen, wie es dir damit ergangen ist. Wie klingt das für dich?
S: (erleichtert) Ja, das ist gut. Dankeschön!
L: Ich danke dir!
Die GFK ist keine Manipulationsmethode, um jemanden dazu zu bringen, etwas zu tun. Vielmehr geht es darum, dass Gefühle und Bedürfnisse von beiden Seiten gesehen und gehört werden. So wächst gegenseitig vertrauen, was wiederum zu tragfähigen Lösungen führt.
Strebt das Kollegium eine Atmosphäre des Vertrauens und des gegenseitigen Respektes an, wird sich das nachhaltig auf die SchülerInnen und das gesamte Schulklima auswirken.
Voraussetzungen?
Für ein Einführungseminar: Keine
Für GFK Trainings Einheiten: Einführungsseminar (2 Tage)
Wo?
In den Räumlichkeiten der Schule.
Wann?
In individueller Absprache.
Wer?
Lehrpersonen die sich einen wertschätzenden Umgang im Schulzimmer wünschen.
Wieviel?
150.-/Stunde, inkl. Material


